In Irland ist alles anders, und das hört im Straßenverkehr nicht auf. Das Erste, was einem Mitteleuropäer auffallen sollte, ist natürlich, dass die Iren auf der linken Straßenseite fahren – aber damit hören die Unterschiede noch lange nicht auf.
Besucher sind zunächst verunsichert, wenn sie sich als Fußgänger oder Autofahrer erstmals unter das irische Volk trauen.
“Gibt es hier denn so etwas wie ‘rechts vor links’?”, wird zunächst gefragt. Nein, lautet hier die Antwort. Es gibt kein “rechts vor links” und auch kein “links vor rechts”.
Das Erste, was einem Fremden auffallen wird, ist, dass es weit weniger Verkehrsschilder gibt als anderswo. In Irland wird Vorfahrt nicht ausgeschildert (in Österreich Vorrang-, in der Schweiz und in Liechtenstein Vortrittsrecht).
Die Regel ist ganz einfach: Wird die Vorfahrt durch ein entsprechendes Schild oder Straßenmarkierung (Stop oder Vorfahrt achten) nicht eingeschränkt, hat man Vorfahrt.
Natürlich sollten auch in Irland die Fahrzeuge an roten Ampeln halten. Die meisten tun es auch.
Allerdings riskieren auch sehr viele Verkehrsteilnehmer den “Sprung” über die rote Ampel. Es gibt (noch) keine Blitzer an Ampeln. Sollte man beim Überfahren einer roten Ampel erwischt werden, gibt es auch keine automatische Sperre der Fahrerlaubnis.
All dies lädt dazu ein, bei Rot auch schon mal Gas zu geben.
Dieser Umstand ist ganz besonders für Fußgänger lebensbedrohlich.
Hier haben wir eine gefährliche Mischung. Auf der einen Seite kann man sich nicht darauf verlassen, dass ein Kraftfahrzeug an einer roten Ampel zum Stehen kommt, und auf der anderen Seite ist es ein regelrechter Volkssport für Fußgänger, bei Rot über die Ampel zu marschieren. Fußgänger werden hierfür auch nicht zur Rechenschaft gezogen. Sogar die Polizei geht bei Rot über die Ampel.
Deshalb ein kleiner, aber vielleicht lebensrettender Tipp: Bitte niemals auf die Farbe der Fußgängerampel achten, sondern auf den Verkehr.
Autoreifenspuren lassen sich sehr schlecht aus der Kleidung entfernen.
Sollten Kinder an einer Ampel stehen, dann muss man sich natürlich vorbildlich verhalten und ganz besonders vorsichtig bei Rot die Straße überqueren.
Oftmals setzen sich Besucher zu wenig mit den Gegebenheiten des Gastlandes auseinander. Viele Touristen meinen, dass die Verkehrsordnung am Urlaubsort der von zu Hause entsprechen muss. Das ist oft nicht so.
In Irland dürfen Fahrradfahrer nicht nur nebeneinander fahren, sie werden regelrecht dazu aufgefordert. So sind die Radfahrer viel leichter sichtbar. Außerdem muss der Kraftfahrer die Fahrspur wechseln, um sie zu überholen. Also muss der Überholende genauso gewissenhaft den Überholvorgang in die Wege leiten, als würde er ein anderes Kraftfahrzeug überholen.
Die Ordnung im irischen Kreisverkehr unterscheidet sich von der in Mitteleuropas. Wenn es zum Beispiel ums Blinken geht, verhält man sich bei der Zufahrt zum irischen Kreisverkehr wie an einer Kreuzung. Das heißt, wenn man im Kreisverkehr die Ausfahrt nach links nehmen möchte, fährt man links blinkend in diesen ein. Möchte man geradeaus fahren, fährt man, ohne zu blinken in den Kreisel ein und blinkt kurz vor der Ausfahrt nach links. Möchte man rechtsherum fahren, fährt man rechts blinkend in den Kreisverkehr ein und blinkt kurz vor der Ausfahrt nach links.
Verkehrs- oder auch andere Regeln haben in Irland nicht die gleiche Bedeutung wie anderswo in der entwickelten Welt. Deshalb darf man sich nicht wundern, wenn man zu jeder erdenklichen Tageszeit Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn antrifft, die man nicht erwarten würde.
Es passiert recht oft, dass teilweise unbeleuchtete Traktoren oder Fahrradfahrer in der Nacht auf der Autobahn unterwegs sind. Natürlich entspricht dies nicht der irischen Straßenverkehrsordnung, aber mal ehrlich – wen interessiert das? Wenn alle vorsichtig sind, stören diese auch nicht weiter.
Die fehlenden Verkehrsschilder werden durch gegenseitige Rücksichtnahme ersetzt. Irland ist ein recht sicheres Land, wenn es ums Autofahren geht. Allerdings sollte man als Autofahrer immer auf der Hut sein.
In Irland gilt der Slogan “always expect the unexpected” (erwarte immer das Unerwartete). Dieser Gedanke im Hinterkopf dürfte helfen, gesund wieder nach Hause zu kommen.